Geschätzte 10-25 % (Perkonigg & Wittchen 1995) aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter krankhaften Ängsten, einer Angststörung.

Man unterscheidet hauptsächlich zwischen:

– Panikstörungen (plötzliche Alarmreaktionen ohne Anlass),

– Phobien (Angst vor bestimmten Situationen wie z.B. die Nähe von einzelnen Tieren, Höhe, Donner, Dunkelheit, Fliegen…), Agoraphobien (Angst an bestimmten Orten wie z.B. Plätzen, Einkaufszentren mit Menschenmengen), sozialen Phobien (Angst vor Menschen),

– Generalisierter Angststörung (unterschiedliche Ängste und Befürchtungen)

Gesunde Angst

Angst empfinden zu können gehört zu einem gesunden Leben dazu um in Gefahrensituationen gewarnt zu sein. Der Körper stellt sich automatisch darauf ein die Gefahr zu bekämpfen oder davor zu fliehen (Kampf und Fluchtreaktionen).

Jede körperliche Reaktion hilft dem gesunden Mensch besser und schneller auf die Gefahr zu reagieren.

Beispiele:

– Flache, beschleunigte Atmung erhöht den Sauerstoffgehalt des Muskelgewebes

– Erhöhter Herzschlag befördert das Blut in die Muskulatur

– Schweißausbrüche kühlen den hoch gefahrenen Organismus ab.

Diese Reaktionen des Körpers werden automatisch bereit gestellt, ohne dass der Mensch vorher eine Entscheidung treffen muß, dieser Prozess wäre zu langsam. Nichts davon ist schädlich sondern dient der Erhaltung des Lebens.

Kranke Angst

Bei einer Angststörung gibt es im Unterschied zur „gesunden Angst“ keine wirkliche Gefahr. Im Zusammenhang mit einer bedrohungsorientierten Wahrnehmung verselbstständigen sich die ehemals sinnvollen Angstreaktionsanteile und werden zu einer Belastung.

Die Verhaltenstherapie kann die Situation von Menschen mit Angst-erkrankungen in ca. 60-75% der Fälle (Lelliot et al., 1987 und Michelson, Marchione, 1991) deutlich verbessern.

Aus der Forschung

Die kurzfristigen Reaktionen auf Gefahr werden durch die Hormone Adrenalin und Kortisol vermittelt, die uns zu Kampf und Fluchtreaktionen befähigen. Für viele Lebewesen ist dies aber keine zuielführende Option, (z.B. Schwangere, Mütter oder Angehörige hilfloser Personen). In belastenden Situationen steigt auch das Hormon Oxytozin (Shelley Taylor, „tend and befriend“), welches dabei unterstützt Schutz durch Gemeinschaft herzustellen, Nähe zu anderen zu suchen, sich zu kümmern, Unterstützung anzunehmen. Bei Kontaktverhalten steigt der Oxytozinspiegel, die Kortisolausschüttung wird gehemmt, die Widerstandskraft steigt, Entzündungen reduzieren sich, Gefäße werden geschützt, Regeneration nach Belastungen wird gefördert. Kontakt hilft dabei gesund zu werden und zu bleiben.